Agiles Prozessmanagement für IT Unternehmen

März 29, 2007

Geschäftsregelbasierte Prozessmodellierung

Filed under: Analyse,Business Rules,Prozesse — Armin Guenther @ 21:22

Dieser Beitrag umreisst die Möglichkeiten Geschäftsprozesse mit Hilfe von Geschäftsregeln zu modellieren (In dem Beitrag „Begrifflichkeiten“ unter dem Gliederungspunkt Agilität wurde diese Thematik schon angesprochen).

Aus meiner Sicht eignet sich diese „Form“ der Modellierung aufgrund folgender Punkte:

  1. Sie ist einfach in eine EPK Visualisierung zu überführen
  2. Die Prozessbeschreibungen können flexibel an veränderte Bedingungen angepasst werden
  3. Die Prozessbeschreibungen bieten den Mitarbeitern die nötige Flexibilität um bspw. kundenindividuelle Anpassungen bei der Abarbeitung eines Prozesses zu ermöglichen
  4. Die Notation ist für IT Spezialisten leicht verständlich

Die folgenden Ausführungen sind der Dissertation von Reiner Endl entlehnt: Regelbasierte Entwicklung betrieblicher Informationssysteme, Gestaltung flexibler Informationssysteme durch explizite Modellierung der Geschäftslogik

“Moderne Unternehmensorganisationen und Management-Konzepte setzen die optimale Gestaltung der relevanten Geschäftsprozesse voraus. Sie betonen deren Flexibilität sowie die Fähigkeit, kundenindividuelle Produkte und Dienstleistungen herzustellen und sich schnell an Veränderungen in der Unternehmensumwelt anpassen zu können. Eine Schlüsselrolle spielt dabei der effiziente Einsatz der Informationstechnologie, der bestimmte Strategien und Prozessvarianten – z. B. weltweiter Vertrieb bisher nur lokal angebotener Produkte via Internet – erst ermöglicht und unterstützt. Regeln bilden die Basis für das im Unternehmen vorhandene geschäftsrelevante Wissen.“

„Ein Ansatz besteht darin, den Geschäftsprozess selbst als eine Folge von Geschäftsregeln aufzufassen, d.h. die kausalen und temporalen Ablaufvorschriften in geeigneter Weise zu modellieren. Die unter bestimmten Bedingungen auszuführenden Aktivitäten und die sie auslösenden Ereignisse können in Beziehung zueinander gesetzt werden, so dass Prozesse auf der Grundlage von Geschäftsregeln beschrieben und ausgeführt werden können.

Die Prozessmodellierung mit Geschäftsregeln basiert auf ECAA-Regeln. Durch die drei Konstrukte Ereignis, Bedingung und Aktion ergibt sich so eine Analogie zu den in aktiven Datenbanksystemen verwendeten ECA-Regeln. Das ECA-Konstrukt wird um eine zweite Aktionskomponente erweitert, um bei Nichteintreten einer Bedingung eine alternative Aktion ausführen zu können. Damit können für einen Geschäftsprozess typischen Entscheidungsaktivitäten modelliert werden. Die ECA- und EA-Regeln, d.h. Regeln ohne Bedingungskomponente, werden als Sonderfälle von ECAA-Regeln betrachtet“

“Die mit Geschäftsregeln modellierten Prozesse müssen daher mit Hilfe einer geeigneten graphischen Darstellung visualisiert werden können. Dabei werden entweder ganze Regeln oder einzelne Regelkomponenten mit Hilfe unterschiedlicher Symbole abgebildet.“ Das regelbasierte Prozessmodell umfasst auch Erweiterungen bezüglich struktureller, organisatorischer und temporaler Hinsicht. Die EA-, ECA- bzw. ECAA-Notation ist bestenfalls für kleine Prozessmodelle ausreichend übersichtlich. Bei größeren Prozessmodellen erfüllt die Notation vor allem im Hinblick auf die Visualisierungsmöglichkeiten formulierten Anforderungen nur ungenügend. Die mit Geschäftsregeln modellierten Prozesse müssen daher mit Hilfe einer geeigneten graphischen Darstellung visualisiert werden können.“

Somit können die mit Geschäftregeln modellierten Prozesse in die eEPK (erweiterte Ereignisgesteuerte Prozesskette) Notation übertragen werden.

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4 Kommentare »

  1. Der Business Rules-Ansatz als Vorgehensweise zu einer regelbasierten Prozessmodellierung wird in dieser Diplomarbeit an einem Praxisbeispiel erprobt.

    Kommentar von Joachim Niemeier — April 14, 2007 @ 15:56 | Antwort

  2. Hier ein paar Weblinks zu interessanten PDFs, die ich mir zu dem Thema „Business Rules“ zusammengestellt haben:

    The Business Motivation Model
    Defining Business Rules – What are they Really?
    Business Rules Manifest – Die Prinzipien der Business Rules Unabhängigkeit

    Kommentar von Joachim Niemeier — April 14, 2007 @ 16:12 | Antwort

  3. Kam mir gerade noch in den Kopf als Ergänzung zu dem, was du da oben schreibst…

    Geschäftsregel ist nicht gleich Geschäftsregel. Deshalb macht es auch keinen Sinn, alle direkt im Geschäftsprozess zu modellieren. Man stelle sich nur mal eine EPK vor, die versucht das Tarifmodell eines beliebigen Mobilfunkbetreibers abzubilden. Das ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Dafür gibt es dann spezielle Tools, wie du sie ja auch schon prinzipiell mit den verschiedenen E* Notationen angesprochen hast. Modelliert man zu komplexe Geschäftsregeln im Geschäftsprozess, dann führt das zu sehr komplexen modellen, die dann alles andere als agil sind. Wir bei der IDS haben deshalb eine Lösung entwickelt, mit der man bestimmte Arten von Regeln mit einem speziellen Tool (siehe ARIS Business Rules Designer) beschreiben kann. Letztendlich muss aber jeder Nutzer selber entscheiden, wann es sinnvoll ist, Geschäftsregeln zu extrahieren.

    Gruß,

    Sebastian

    PS: Könntest du mir eine Email bei Antworten auf meine Kommentare schicken? Ich bin etwas faul immer die Threads zu beobachten.

    Kommentar von Sebastian Stein — April 30, 2007 @ 22:12 | Antwort

  4. […] zum Beispiel sehr ausführlich die Ereignisgesteuerte Prozesskette (EPK), der ITIL Standard und Grundlagen zu Business Rules erläutert. Auch wird Sinn und Zweck der Geschäftsprozessmodellierung kurz […]

    Pingback von Gute Erklärungen zu BPM Techniken | Promotionsblog — Mai 8, 2007 @ 22:52 | Antwort


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