Agiles Prozessmanagement für IT Unternehmen

Juli 3, 2007

Agilität durch Projektmanagement-Prozessmodule

Filed under: Bodies of Knowledge,Business Rules,PMI,Prozesse — Armin Guenther @ 14:56

 


Die obige Abbildung soll die „Anwendungslogik“ der Prozesse verdeutlichen, welche die Leistungserstellung, des Unternehmens für das die Diplomarbeit erstellt wird, konstituieren. Beispielhaft wird hier nur der Prozess „Risikomanagement“ mit den Teilprozessen R_1 bis R_6 aufgeführt.

Dabei zeigt die Abbildung die Dimensionen der Agilität, die sichergestellt werden sollte, auf. Das Unternehmenswachstum das auf der Abszisse abgetragen ist und die angestrebten Entwicklungsstufen des CMMI, welche in der Zukunft angestrebt werden können, verkörpern eine Form von Agilität. Die Entwicklungsstufen geben dabei den möglichen Entwicklungspfad vor, lassen aber Spielraum für die unternehmensindividuelle Ausgestaltung. Werden im Geschäftsjahr 2008 im Bereich des Projektmanagements die Projektplanung, die Projektverfolgung und Steuerung und das Management von Lieferantenvereinbarungen und im Bereich Ingenieurdisziplinen das Anforderungsmanagement sowie im Bereich der Unterstützung eine Messung und Analyse, eine Qualitätssicherung von Prozessen und Produkten sowie ein Konfigurationsmanagement im Sinne des CMMI (Definition der spezifischen Ziele und Auswahl der für TwentyOne sinnvollen Praktiken etc.) ausgestaltet, kann der Reifegrad „definiert“ als Verbesserungsziel („nächste Stufe“) bis zum Geschäftsjahr 2010 angestrebt werden. Die Verbesserungsaktivitäten sollten sich somit auf das Prozessmanagement (Organisationsweiter Prozessfokus, Organisationsweite Prozessdefinition, Organisationsweites Training) ausdehnen, ein integriertes Projektmanagement und verbessertes Risikomanagement forcieren, die Ingenieurdisziplinen weiter systematisieren und strukturieren (Anforderungsentwicklung, technische Umsetzung, Produktintegration, Verifikation, Validation) und eine fundierte Entscheidungsanalyse und -findung etablieren.

Der Leistungserstellungsprozess sowie die Wertsicherung und das Lernen werden den Prozessgruppen parallel zu der Ordinate gegenübergestellt. Die Prozessmodule (bspw. das Risikomanagement) werden mit Hilfe der dispositiven Geschäftsregeln an die
verschiedenen Projekttypen (z. B. Kleinprojekt = Typ A, Projekt= Typ B) angepasst. Der mit dem x gekennzeichnete Punkt zeigt dabei, welche Teilprozesse (R_1 – R_2) für welchen Projekttyp durchgeführt werden müssen, wobei der Gestaltungsrahmen für den Prozessgestalter durch Geschäftsregeln aufgespannt wird (solche dispositiven Regeln -vgl. jeweiligen Datenblättern Interne Dokumente – sichern also Agilität, da man mit ihnen unterschiedlichste Umweltzustände abbilden kann). Die übrigen Teilprozesse (schwarzer Punkt) müssen projektindividuell ausgestaltet werden. Operative Geschäftsregeln können hier den konkreten Prozessverlauf noch weiter spezifizieren.

Als dritte „Dimension“ der Agilität ist folgendes Vorgehen entwickelt worden. Das betreffende Unternehmen kann nun für jedes Prozessmodul (z.B. Risikomanagement) und dessen Teilprozesse feststellen, ob sie schon im Unternehmen durchgeführt werden oder ob sie für die Zukunft geplant sind. Zum Einsatz kann hier die Matrix mit den Process Groups und den Knowledge Areas (Vgl. PMBOK) mit den jeweiligen Teilprozessen kommen.

Ähnlich der Ampelfunktion bei der Anwendung der Geschäftsregeln (siehe Abbildung am Anfang des Beitrags) kann in der Matrix jeder Teilprozess betrachtet und evaluiert werden. Ein weiteres Instrument in diesem Zusammenhang ist die Übersicht/ Checkliste über die Projektmanagementmethoden(Vgl. Gareis/ Stummer, Projekte & Prozesse, 2006). In dieser kann für die verschiedenen Projekttypen festgelegt werden welche Methoden angewandt werden „müssen“ und welche angewandt werden „können“.

Advertisements

Juni 5, 2007

Modellierung von Geschäftsregeln mit der EPK

Filed under: Business Rules,Prozesse — Armin Guenther @ 11:36

In vorangegangenen Beiträgen wurde gezeigt, wie Prozessabläufe mit der EPK modelliert werden können und wie Abläufe mit der ECAA Notation modelliert werden. In diesem Beitrag soll gezeigt werden wie der regelbasierte Ansatz in die EPK integriert werden kann. Es ist möglich sowohl EPKs mit geeigneten Transformationsregeln in Geschäftsregeln zu übersetzen (diesen Ansatz verfolgen Knolmayer u.a.) als auch Geschäftsregeln mit der EPK zu modellieren. Steht die Visualisierung und Transparenz im Vordergrund kann der Geschäftsprozess mit der EPK gestaltet und dargestellt werden. Soll dieser weiter spezifiziert werden, um bspw. Informationssysteme zu entwickeln, können hieraus Geschäftsregeln abgeleitet und detailliert werden.

Es gibt vier grundlegende Transformationsregeln um EPK Modelle in die ECAA Notation zu überführen. Diese sind in der folgenden Grafik dargestellt:

Wenn man nun eine ECAA Regel betrachtet enthält diese implizit eine Selektion. Die folgende Abbildung zeigt die allgemeine Modellierung einer Selektion mit Hilfe der EPK:

 

Auch die Möglichkeiten der Gestaltung paralleler Abläufe werden direkt von der EPK Notation unterstützt. Man beachte aber stets, dass in beiden Notationen der Kontrollfluss durch einen Operator des gleichen Typs wieder geschlossen werden muss.

Mai 22, 2007

Geschäftsregeln im Kontext der Prozessmodellierung

Filed under: Business Rules,Prozesse — Armin Guenther @ 21:27

Da keine einheitliche Definition des Begriffs Geschäftsregel existiert, muss zunächst geklärt werden wie der Begriff im Rahmen dieser Arbeit aufgefasst wird. Der Begriff wird meist technisch bei der Entwicklung von Informationssystemen verwendet. Eine ausschließliche Fokussierung bspw. auf die Sicherstellung der Integrität in Datenbanken vernachlässigt die betriebswirtschaftliche Sichtweise des Begriffs. Geschäftsregeln beschreiben eben auch wie ein Unternehmen organisiert ist und wie es den Geschäftszweck erfüllt. Regeln werden also zunehmend als Aussagen über die Art und Weise der Geschäftsabwicklung verstanden. Geschäftsregeln enthalten Informationen über Anforderungen an Abläufe in einer Organisation. Endl setzt Geschäftsregeln mit organisatorischen Regeln gleich, da beide die effiziente Durchführung der Geschäftsprozesse als Ziel haben und somit Richtlinien und Restriktionen darstellen, die sich auf Zustände aber auch auf Prozesse beziehen und die Geschäftslogik beschreiben. Geschäftsregeln bilden daneben wichtige Bausteine von wissensorientierten Unternehmen.

Um mit Geschäftsregeln Systeme und Informationssysteme modellieren zu können, müssen diese bestimmt Kerneigenschaften aufweisen, damit sie im Sinne von Modellierungselementen verwendet werden können und das angestrebte Nutzenpotential erschlossen werden kann:

  • Orientierung an Geschäftsprozessen: Geschäftsregeln müssen die Geschäftslogik enthalten. Eindeutigkeit und Präzision bei der Beschreibung der Regeln ist hierbei notwendig.
  • Deklarative Beschreibung: Die Geschäftsregeln beinhalten nicht den konkreten Lösungsweg im Einzelfall.
  • Formuliert in natürlicher Sprache: Hierdurch ist vorerst keine Übersetzung notwendig.
  • Atomare Regeln: Eine einzelne Regel darf keine andere Regel enthalten. Dies ist jedoch nur auf der untersten Modellierungsebene möglich. Allgemein gehaltene oder globale Regeln können andere Regeln beinhalten.
  • Nachvollziehbarkeit: Der Entstehungshintergrund und die Herkunft der Regel sollte bekannt sein und festgehalten werden. Ist eine Regel aus einer anderen Regel abgeleitet worden, so sollte dies feststellbar sein.
  • Strukturiertheit: Es sollten einheitliche Formulierungen gewählt werden um die Vielfalt und damit die Komplexität zu reduzieren.

Für eine Regelmenge die einen bestimmten abgegrenzten Unternehmensbereich, z.B. einen Geschäftsprozess, beschreibt sollten ebenso bestimmte Eigenschaften eingehalten werden. Zuerst müssen die Regeln den Realitätsausschnitt umfassend beschreiben. Dabei dürfen sich die einzelnen Regeln jedoch nicht überschneiden oder widersprechen. Damit bei einer Veränderung des Unternehmensbereichs eine Regelanpassung stattfindet, und die Regeln weiterentwickelt werden, müssen Verantwortlichkeiten für einzelne Ausschnitte der Realität und der damit verbundenen Regeln festgelegt werden.


Abbildung: Formale Beschreibung von Geschäftsregeln in EA, ECA, ECAA Notation

 

Abläufe mit der ECAA Notation modellieren

Ähnlich wie bei der Ereignisgesteuerten Prozesskette entstehen regelbasierte Abläufe dadurch, dass bei der Ausführung des Aktionsteils der Regel ein Ereignis eintritt, welches andere Regeln auslösen kann. Die Möglichkeiten der Modellierung von Sequenzen, Selektionen, Iterationen und Parallelitäten durch Geschäftsregeln werden im Folgenden erläutert. Dabei zeigen Folgepfeile innerhalb der Aktionskomponente die „auslösende Funktion“ dieser an. Es tritt ein (Folge-)Ereignis, welches für eine andere Regel relevant ist, ein.

Sequenz: Einfache Sequenzen werden durch die EA Regel modelliert. Im Aktionsteil dieser Regel tritt ein Ereignis ein, dass für die nächste Aktivität relevant ist.

Abbildung: Modellierung einer Sequenz mit Geschäftsregeln

Selektion: Ebenso wie bei der EPK kann eine Selektion sowohl exklusiv mit einem XOR oder nicht exklusiv mit einem OR modelliert werden. Man spricht hier auch von einem XOR bzw. OR-Split. Die ECAA Regel beinhaltet immer einen XOR Split, da nach der Bedingungsprüfung (IF) immer eine der beiden Aktionen ausgeführt wird. Die Zusammenführung des Splits ist durch folgende Möglichkeiten zu realisieren:

  • Die aufgeteilten Abläufe lösen jeweils ein identisches Ereignis aus. Damit „fließen“ die alternativen Abläufe wieder zusammen.
  • Die alternativen Abläufe werden in einer folgenden Geschäftsregel mit einer Disjunktion (Im Kontext der regelbasierten Modellierung werden komplexe Ereignisse die durch einen XOR oder durch einen ODER verknüpft sind als Disjunktionsereignisse bezeichnet) verbunden.

Für weitere Spezifikationen alternativer Teilprozess sei auf Knolmayer u.a. (Vgl. Knolmayer u.a. 1997, S. 16 f)
verwiesen.

Iteration: Durch den XOR Split lassen sich auch iterative Abläufe modellieren, indem in einem der Aktionsteile einer ECAA Regel ein Ereignis ausgelöst wird, das wiederum eine Regel aktiviert, die im Ablauf des Prozesses schon einmal aktiviert wurde.

Parallelität: Parallele Abläufe können grundsätzlich durch zwei Konstruktionsideen modelliert werden:

  • Mehrere Regeln werden durch dasselbe Ereignis ausgelöst. Nach Eintreten dieses Ereignisses werden alle aktivierten Geschäftsregeln parallel ausgeführt.
  • Im Aktionsteil einer Regel werden mehrere konjunktiv (AND) verknüpfte Ereignisse aktiviert. Diese wiederum sind Auslöser (event) paralleler Abläufe

Zusammengeführt werden die parallelen Teilprozesse, indem in einer weiteren Regel im Eventteil die letzten Aktionen (bzw. deren (Folge-)Ereignisse) der parallelen Prozesszweige konjunktiv verknüpft werden.

Der ECAA Ansatz kann, um in der Unternehmensmodellierung mehr Relevanz zu erlangen, um strukturelle Aspekte (Zuordnung einer Organisationseinheit zu einer Regel oder Regelkomponente, Erweiterung um ein Informationsobjekt, Beschreibung der verbundenen Arbeitsschritte) sowie um temporale Aspekte (Gültigkeitszeiten von Ereignissen, Reaktion auf in einem bestimmten Zeitintervall nicht eingetretenes Ereignis) erweitert werden.

März 29, 2007

Geschäftsregelbasierte Prozessmodellierung

Filed under: Analyse,Business Rules,Prozesse — Armin Guenther @ 21:22

Dieser Beitrag umreisst die Möglichkeiten Geschäftsprozesse mit Hilfe von Geschäftsregeln zu modellieren (In dem Beitrag „Begrifflichkeiten“ unter dem Gliederungspunkt Agilität wurde diese Thematik schon angesprochen).

Aus meiner Sicht eignet sich diese „Form“ der Modellierung aufgrund folgender Punkte:

  1. Sie ist einfach in eine EPK Visualisierung zu überführen
  2. Die Prozessbeschreibungen können flexibel an veränderte Bedingungen angepasst werden
  3. Die Prozessbeschreibungen bieten den Mitarbeitern die nötige Flexibilität um bspw. kundenindividuelle Anpassungen bei der Abarbeitung eines Prozesses zu ermöglichen
  4. Die Notation ist für IT Spezialisten leicht verständlich

Die folgenden Ausführungen sind der Dissertation von Reiner Endl entlehnt: Regelbasierte Entwicklung betrieblicher Informationssysteme, Gestaltung flexibler Informationssysteme durch explizite Modellierung der Geschäftslogik

“Moderne Unternehmensorganisationen und Management-Konzepte setzen die optimale Gestaltung der relevanten Geschäftsprozesse voraus. Sie betonen deren Flexibilität sowie die Fähigkeit, kundenindividuelle Produkte und Dienstleistungen herzustellen und sich schnell an Veränderungen in der Unternehmensumwelt anpassen zu können. Eine Schlüsselrolle spielt dabei der effiziente Einsatz der Informationstechnologie, der bestimmte Strategien und Prozessvarianten – z. B. weltweiter Vertrieb bisher nur lokal angebotener Produkte via Internet – erst ermöglicht und unterstützt. Regeln bilden die Basis für das im Unternehmen vorhandene geschäftsrelevante Wissen.“

„Ein Ansatz besteht darin, den Geschäftsprozess selbst als eine Folge von Geschäftsregeln aufzufassen, d.h. die kausalen und temporalen Ablaufvorschriften in geeigneter Weise zu modellieren. Die unter bestimmten Bedingungen auszuführenden Aktivitäten und die sie auslösenden Ereignisse können in Beziehung zueinander gesetzt werden, so dass Prozesse auf der Grundlage von Geschäftsregeln beschrieben und ausgeführt werden können.

Die Prozessmodellierung mit Geschäftsregeln basiert auf ECAA-Regeln. Durch die drei Konstrukte Ereignis, Bedingung und Aktion ergibt sich so eine Analogie zu den in aktiven Datenbanksystemen verwendeten ECA-Regeln. Das ECA-Konstrukt wird um eine zweite Aktionskomponente erweitert, um bei Nichteintreten einer Bedingung eine alternative Aktion ausführen zu können. Damit können für einen Geschäftsprozess typischen Entscheidungsaktivitäten modelliert werden. Die ECA- und EA-Regeln, d.h. Regeln ohne Bedingungskomponente, werden als Sonderfälle von ECAA-Regeln betrachtet“

“Die mit Geschäftsregeln modellierten Prozesse müssen daher mit Hilfe einer geeigneten graphischen Darstellung visualisiert werden können. Dabei werden entweder ganze Regeln oder einzelne Regelkomponenten mit Hilfe unterschiedlicher Symbole abgebildet.“ Das regelbasierte Prozessmodell umfasst auch Erweiterungen bezüglich struktureller, organisatorischer und temporaler Hinsicht. Die EA-, ECA- bzw. ECAA-Notation ist bestenfalls für kleine Prozessmodelle ausreichend übersichtlich. Bei größeren Prozessmodellen erfüllt die Notation vor allem im Hinblick auf die Visualisierungsmöglichkeiten formulierten Anforderungen nur ungenügend. Die mit Geschäftsregeln modellierten Prozesse müssen daher mit Hilfe einer geeigneten graphischen Darstellung visualisiert werden können.“

Somit können die mit Geschäftregeln modellierten Prozesse in die eEPK (erweiterte Ereignisgesteuerte Prozesskette) Notation übertragen werden.

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.